Obst, NerfGuns und unser Lieblingsnachbar

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Wie lebt es sich als frischgebackener Entrepreneur? Jettet man im Aston Martin vom Investoren-Meeting zur Pressekonferenz, um dann – nach einem Zumba-Kurs im Fitness-Studio – elegant gekleidet vegane Austern und Tofu-Kaviar mit Germany’s Next Topmodel im derzeit angesagtesten Lifestyle-Restaurant zu genießen?

Diese Woche noch nicht.

Aber was macht man stattdessen den ganzen Tag, wo einem doch kein Chef über die Schulter schaut und man täglich die Wahl hat, zuhause zu bleiben?

Bürobild - Obst und Nerf-Guns
Unser Arbeitsmoralmanipulationsmittelsammelkorb

Entrent dans la cuisine de l’entrepreneur

Obst ist heutzutage ziemlich hartnäckig. Das muss es auch sein, wenn es bei uns im Obstkorb landet (im Schnitt 4, ohne Jens 12 Tage). Warum Schokoladenkekse über ein Jahr lang haltbar sind, ist uns hingegen ein Rätsel (12 Stunden würden uns vollkommen ausreichen). Einzig die Hersteller von Laugenbrezeln scheinen das Verhalten ihrer Kunden zu kennen – nach einem Tag sind die Dinger hart und ungenießbar (ist uns erst einmal passiert).

Da ich mich als Praktikant in den Unternehmensalltag einfühlen soll, habe ich meinen Kaffeekonsum bei Antritt des Praktikums um 300% erhöht. Dadurch ist meine Arbeitsleistung um 20% gestiegen und meine Fähigkeit, abends einzuschlafen, um 80% gesunken. Die Kaffeemaschine ist unser wertvollstes Gut und wird täglich von Hand gereinigt und poliert. Kaffee ist der heimliche Gott aller Bürokräfte. Vermutlich wird man in 50 Jahren mit Entsetzen an die Zeiten zurückdenken, in denen Kaffee legal war, aber solange man uns lässt, huldigen wir der schwarzen Brühe.

Bild - Dem Kaffeegot huldigend
Dem Kaffeegott huldigend

Keine Sorge Mutti, unsere warme Mahlzeit des Tages erhalten wir an der HTW Studentenmensa. Besonders sympathisch finden wir, dass die zwei Gründer immer noch für Studenten gehalten werden und dementsprechend unangemessen günstig speisen – wir sollten die Mensa offiziell als Sponsor würdigen.

Sport und Fitness

Der Arbeitsweg wird mit Auto und Bahn bestritten (Jens fährt manchmal Fahrrad – aber der isst ja auch Obst). Im Büro wird gesessen, Aufstehen wird als lästig empfunden. Mittags geht es einmal zur besagten Mensa (500m pro Richtung, der sportliche Höhepunkt des Tages).

Im Büro finden sich 3 Nerf-Guns und ca. 100 passende Pfeile, mit denen wir uns täglich Schlachten liefern. Dabei verwüsten wir das Büro, erleiden Schmerzen, verbessern durch Ausweichbewegungen und Gelächter unsere Durchblutung und können danach erfrischt weiterarbeiten. Eine Technik, die ich besonders etablierten Institutionen mit Großraumbüros (pwc, Bundesverfassungsgericht, Deutsche Bahn) sehr ans Herz legen möchte.

20% des Büroraumes werden von einem Kickertisch belegt. Er dient zur Teambildung und Entscheidungsfindung (der Gründer, der gewinnt, ist für einen Tag Chef – bisher immer Richard).

Nachbarschaft im Gründerzentrum

Leider können wir seit Mai nicht mehr kickern, da ein gewisser Nachbar im Stockwerk unter uns sich über den Lärm beklagt. Wir haben also seit Mai keinen Chef mehr – ein kritischer Zustand. Das ist unserem Nachbarn völlig egal. Nach eigener Aussage braucht er absolute Ruhe, um „jeden Tag von 9Uhr morgens bis 3Uhr nachts“ zu arbeiten. Außerdem betont er gern, er arbeite wissenschaftlich und mit internationalen Doktoren. Wir hingegen würden den ganzen Tag nur Krach machen und Bier trinken. Seitdem ist „wissenschaftlich arbeiten von 9 bis 3“ einer unserer Lieblingsbegriffe.

Umzug

Da wir sehr menschenfreundliche Unternehmer sind (ja, sowas gibts, ihr kapitalismusfeindlichen Müslikinder), haben wir beim Gründerzentrum vorsichtig nach einem anderen Raum gefragt, wo wir niemanden stören. Sofort wurde uns ein wunderschönes, großes Büro mit 2 Nebenräumen und eigener Küche in einem anderen Gebäudeteil angeboten.

Dank unseres Nachbarn werden wir also in der nächsten Woche umziehen in eine skalierbare (weil mehrräumige) Büroumgebung. Und können dann endlich wieder den Chef auskickern.

Vive le bruit! Vive le voisinage! Vive les Supplets!

 

Let’s supp,

Euer Praktikant

 

 

 

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